Kriminalstatistik 2021

Straftatenaufkommen auf Tiefststand – Polizei im Landkreis Rotenburg hält hohe Aufklärungsquote

Die polizeilich aufgenommenen Straftaten im Landkreis Rotenburg haben im vergangenen Jahr einen erfreulichen Tiefststand erreicht. Über ein Jahrzehnt pegelte sich dieser Wert zwischen 10.000 und 11.000 Taten ein. 2017 sank die Anzahl erstmals unter die 10.000er Grenze. Seither sprechen wir Jahr für Jahr von einem deutlich erkennbar positiven Trend. Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Vorjahr 2020 wies insgesamt 8.644 Taten aus. Im vergangenen Jahr 2021 waren es 8.119, also 525 Taten weniger. Das entspricht einem Rückgang von über 6 Prozent.

Ihre hohe Aufklärungsquote haben unsere Ermittler 2021 annähernd halten können. Von den 8.119 Taten gelten 5.545 als geklärt - das ergibt eine Aufklärungsquote von 68,3 Prozent. Nach 2020 der zweithöchste Wert.

Die statistische Sicherheit vor Kriminalität wird zudem durch den Begriff der Häufigkeitszahl geprägt. Sie spiegelt die Anzahl der Straftaten je 100.000 Einwohner wieder. Mit rund 4.957 Taten/100.000 Einwohner liegt der Landkreis Rotenburg dabei deutlich unter dem Bundesschnitt von zuletzt 6.385.

Entwicklung 2015 - 2021   Bildrechte: .
Kriminalstatistik 2021

„Diese guten Zahlen sind natürlich im Kontext der Pandemie zu betrachten, sprechen aber eindeutig für sich! Die Menschen im Landkreis Rotenburg leben in einer ungewöhnlich sicheren Region. Die Anzahl der festgestellten Straftaten ist so niedrig wie nie! Die Aufklärungsquote ist die zweithöchste seit Beginn der Auswertungen und liegt weit über dem Schnitt des Landes Niedersachsen. Das zusammen bekommen wir nur hin, weil sich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereichsübergreifend informieren und unterstützen. Dazu gehört auch das Erkennen und Bewerten neuer Kriminalitätsphänomene, wie sie ja auch schon während der Corona-Zeit festgestellt werden konnten. Das ist eine gelebte und professionelle Zusammenarbeit, die mich sehr froh und auch ein wenig stolz auf unser Team macht. Wir werden uns darauf nicht ausruhen, sondern weiter am Ball bleiben!“, verspricht der Leiter der Polizeiinspektion Jörg Wesemann.

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Für die übergeordnete Polizeidirektion Lüneburg mit ihren sechs Inspektionen Lüneburg/Lüchow/Uelzen, Heidekreis, Stade, Harburg, Celle und Rotenburg zeigt die Kriminalstatistik 2021 ein ähnliches Bild. Den 74.076 Straftaten aus dem Jahr 2020 standen im vergangenen Jahr nur noch 69.986 Straftaten, also 4.090 weniger, entgegen. Direktionsweit sind damit die Straftaten um 5,5 Prozent zurückgegangen. Die Aufklärungsquote lag mit 65,83 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie schon 2020. Auch im Land Niedersachsen ist die Anzahl der Straftaten rückläufig. 2021 wurden 25.062 Sachverhalte weniger zur Anzeige gebracht.

Polizeipräsident Thomas Ring, Chef von fast 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Polizeidirektion Lüneburg, dazu: „Die Bürgerinnen und Bürger in unserer Region können sich auf ihre Polizei verlassen! Die zweithöchste Aufklärungsquote innerhalb Niedersachsens verdanken wir der hervorragenden Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizeidirektion Lüneburg.

Tötungsdelikte

Die Kriminalstatistik weist für das zurückliegende Jahr sieben zu bearbeitende Tötungsdelikte in der Polizeiinspektion Rotenburg aus. In allen Fällen handelte es sich um den Verdacht einer Fahrlässigen Tötung. Bei drei häuslichen Unglücksfällen wurde ermittelt, ob vorwerfbares Verhalten vorlag. In einem anderen Fall überprüfte die Polizei, ob ärztliches Fehlverhalten zum Tod eines 50-Jährigen geführt hat. Auch nach dem Tod von zwei Menschen, dessen Grund jeweils unzureichende Pflege gewesen sein könnte, untersuchte die Polizei die Hintergründe. Beim tragischen Tod eines 20-jährigen Mannes am Rotenburger Bahnhof richteten sich die Ermittlungen wegen des Verdachts der Fahrlässigen Tötung durch Unterlassen gegen die Personen, die für den Verstorbenen zu dieser Zeit verantwortlich waren.

Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Waren es 2020 noch 160 vollendete und versuchte Taten, so mussten die Beamten 2021 110, also 50 Einbrüche weniger aufnehmen. Das ist ein außergewöhnlich hoher Rückgang um 31,25 Prozent. Die Polizei im Landkreis Rotenburg ermittelte in 25 Fällen einen Tatverdächtigen und erzielte eine Aufklärungsquote von 22,73 Prozent.

Mit dem erneuten Rückgang an Wohnungseinbrüchen setzt sich die positive Entwicklung in diesem Deliktsbereich während der Pandemiezeit erkennbar fort. Zudem freut sich Kripochef Fabian Bernert über die Unterstützung aus der Bevölkerung:“ Hinweise im Zusammenhang mit verdächtigen Beobachtungen in Wohngebieten tragen dazu bei, dass wir Täter ergreifen oder die Tat später aufklären können. Jede noch so unwichtig erscheinende Beobachtung kann dabei sehr wertvoll und, zusammen mit anderen Erkenntnissen, das nötige Puzzlestück für weitergehende Ermittlungen sein.“ Aber auch die technischen Sicherungen von Wohnhäusern, über die der Experte für Kriminalprävention, Thomas Teuber, zahlreiche Menschen informiert hat, seien, so Polizeioberrat Bernert, ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Wohnungseinbrüche.

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Rohheitsdelikte

Im vergangenen Jahr kam es im Landkreis Rotenburg zu 38 Raubtaten - das waren 3 Taten weniger als noch 2020. In 33 Fällen ermittelte die Polizei einen Tatverdächtigen und klärte damit 86,8 Prozent der Taten auf. Bei den anderen Rohheitsdelikten, wie zum Beispiel Körperverletzungen, verzeichnet die Kriminalstatistik mit 1.488 Taten einen leichten Rückgang von 6 Fällen. Körperverletzungen werden in der Regel aufgeklärt, da sich Täter und Opfer meistens bekannt sind. Die Aufklärungsquote liegt erfahrungsgemäß hoch bei deutlich über 90 Prozent.

Betrügereien

Auch im Fachkommissariat und in den Arbeitsfeldern für Betrugsdelikte registrierte die Beamten einen deutlichen Rückgang an Straftaten. Mit 1.125 Betrugsfällen musste die Polizei im vergangenen Jahr 201 Anzeigen weniger aufnehmen als noch 2020. Das entspricht in diesem Kriminalitätsfeld einer Reduzierung von über 15 Prozent.

Viele Betrugstaten haben sich in den virtuellen Raum des Cybercrime verlagert. Im digitalen Zeitalter spielen vor allem Internetbetrügereien, wie zum Beispiel bei privaten Käufen im Netz, eine zunehmende Rolle. Aber auch die Übernahme und Manipulation von fremden Computern, Identitätsdiebstahl, Datenmissbrauch und Abo-Fallen beschäftigte die Beamten. Ausführliche und nützliche Tipps zum diesem Thema können im Ratgeber Internetkriminalität der Polizei Niedersachsen unter

https://www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps.html

abgerufen werden. Hier werden Informationen über die gängigsten Themenbereiche der Internetkriminalität eingestellt und die Tricks der Cyberkriminellen beschrieben.

Auch vor falschen Polizeibeamten und Staats- und Rechtsanwälten wurde die Bevölkerung im zurückliegenden Jahr ausdrücklich und häufig von der echten Polizei gewarnt. So kam es in einigen Bereichen des Landkreises regelmäßig zu einer ganzen Flut von Anrufen falscher Polizisten. Beharrlich versuchten die organisierten Täter vor allem ältere Menschen mit erfundenen Geschichten dazu zu bewegen, ihre Wertgegenstände, die sie zu Hause aufbewahrten, in die Hände der Kriminellen zu geben. In diesem Zusammenhang verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr auch 99 sogenannte Schockanrufe. In der Regel meldete sich zunächst eine Anruferin und gab vor, Tochter oder Enkeltochter zu sein. Sie habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem jemand zu Tode gekommen sei. Dann übernahm häufig ein Polizist oder ein Staatsanwalt das Gespräch. Es sei eine Kaution zu zahlen, andernfalls müsse die Unfallverursacherin in Untersuchungshaft. Die Angerufenen reagierte fast immer richtig und beendeten das Gespräch. In zwei Fällen hatten die Kriminellen jedoch Erfolg. Im Raum Scheeßel erlangten sie im März auf die Weise 45.000 Euro. Im September überzeugten unbekannte Anrufer eine Seniorin aus dem Raum Zeven ihnen 13.000 Euro zu übergeben.

Der einfache, aber nützliche Rat der Polizei vor allem an Seniorinnen und Senioren:“ Beenden Sie solche Anrufe sofort und lassen Sie sich auf keine Gespräche ein!“ Ausführliche Informationen zum Thema „Falsche Polizeibeamte“, „Enkeltrick“, „Schockanrufe“ und „Corona-Straftaten“ gibt es dazu auf den Internetseiten der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter

https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/aktuelles/detailansicht/vorsicht-falsche-polizeibeamte/


Taschendiebstähle

Auch im vergangenen Jahr sind im gesamten Landkreis Rotenburg viele Menschen Opfer von Taschendieben geworden. Dabei richteten die vermutlich organisierten Täter ihr Augenmerk häufig auf Seniorinnen und Senioren, die in Discountern einkauften. 121 Taten wurden insgesamt zur Anzeige gebracht. 95 Geschädigte waren im Alter von 60 bis 99 Jahren. In 75 Fällen traf es Frauen. Wie sich bei der Anzeigenaufnahme herausstellte, hatten die Geschädigten häufig eine Handtasche oder einen Einkaufskorb mit der Geldbörse im Einkaufswagen abgestellt und kurz aus den Augen gelassen. Auf diese Gelegenheit warteten die Diebe, um schnell zugreifen zu können. Oftmals wurden ältere Menschen von Unbekannten in ein scheinbar harmloses Gespräch verwickelt. Auch diese gezielten Ablenkungsmanöver wurden von den Tätern für einen Taschendiebstahl genutzt.

Das Präventionsteam der Rotenburger Polizei hat landkreisweit mehrere Aktionen vor Discountern durchgeführt. Unter dem Motto „Sei schlauer als der Klauer“ sprach die Polizei vor den Geschäften gezielt ältere Menschen an und fragte, wo sie ihre Geldbörse während des Einkaufens aufbewahren und was sie in dieser Zeit mit ihrer Einkaufstasche tun.

Hier einige Tipps, die der Präventionsexperte Thomas Teuber und sein Team den Senioren mit auf den Weg gab:

  • Nehmen Sie nur so viel Bargeld und Zahlungskarten mit wie nötig.
  • Tragen Sie Bargeld und Zahlungskarten in verschiedenen, verschlossenen Innentaschen Ihrer Kleidung möglichst nah am Körper.
  • Tragen Sie Ihre Tasche immer mit der Verschlussseite zum Körper.
  • Legen Sie Ihre Geldbörse beim Einkauf nicht in die Einkaufstasche, den Einkaufskorb, einen Einkaufswagen oder Ihren Rollator.
  • Lassen Sie sich nicht bedrängen. Bitten Sie laut und deutlich um Hilfe von umstehenden Personen.

Aktion - Sei schlauer als der Klauer   Bildrechte: PI Rotenburg, Pressestelle
Aktion - Sei schlauer als der Klauer

Jugend- und Heranwachsendenkriminalität

Der Bereich der Jugendkriminalität ist gesetzlich erweitert worden. Ursprünglich wurden unter dem Begriff „Kinder- und Jugendkriminalität“ Straftaten von Kindern (Alter bis unter 14 Jahren) und Jugendliche (14 bis unter 18 Jahren) erfasst. Hinzugekommen ist die Gruppe der Heranwachsenden, also die 18- bis unter 21-Jährigen.

Die Corona-Pandemie hat, wie schon im Vorjahr erkennbar, auch die Jugend- und Heranwachsendenkriminalität beeinflusst. Fehlende Tatgelegenheiten und Tatanreize, der Lockdown und Homeoffice wirkten sich aus.

Die Gesamtzahl der jungen Tatverdächtigen (TV bis unter 21 Jahre) ist in allen Bereichen im Jahr 2021 rückläufig.

Die Kernaussagen, die der Jugend- und Heranwachsendenkriminalität zugrunde liegen, haben sich zum Vorjahr allerdings kaum verändert:

1. Jugenddelinquenz ist männlich

77% der minderjährigen TV sind männlich (377 TV)

81% der heranwachsenden TV sind männlich (315 TV)

2. Jugenddelinquenz ist von gruppendynamischen Prozessen geprägt

45% der 488 Minderjährigen handelten nicht allein.

27% der 391 heranwachsenden TV ebenfalls.

3. Jugenddelinquenz spielt sich im öffentlichen Raum ab.

23% der 488 minderjährigen TV wurden hier registriert (110 TV)

17% der 391 Heranwachsenden wurden hier registriert (68 TV)

Die am häufigsten begangenen Straftaten minderjähriger und heranwachsender Tatverdächtiger sind Sachbeschädigungen, Körperverletzungsdelikte, Betäubungsmitteldelikte und Ladendiebstähle.

Von den 146 tatverdächtigen Kindern wurden unter anderem 43 Sachbeschädigungen, 30 Körperverletzungen und 19 Ladendiebstähle begangen.

339 jugendliche Tatverdächtige fielen bei 77 Körperverletzungsdelikten, 49 Sachbeschädigungen und 39 Ladendiebstähle auf.

Mit 83 Rauschgiftdelikten ist hier eine Steigerung von etwas über 29 % auffällig und bezieht sich hauptsächlich auf Verstöße mit Cannabis. Das kann ansatzweise damit begründet werden, dass sich bei den Jugendlichen der Zugang erleichtert und erweitert haben könnte, indem die Cannabisprodukte im Internet bestellt und über den Versand/Postweg erlangt werden. Bei den 390 Heranwachsenden steht die Begehung von Rauschgiftdelikten mit 106 Delikten an der Spitze der am häufigsten begangenen Straftaten.

Auffällig ist der Rückgang der Straftaten im Schulkontext von 143 auf 102 Straftaten (-28,67 %). Wie auch im Vorjahr dürfte dies im Berichtsjahr 2021 mit den pandemiebedingten Einschränkungen des allgemeinen Schulbetriebes zusammenhängen.

Zusammenfassend zieht Polizeipräsident Ring für seine Polizeidirektion folgendes Fazit: „Neben der coronabedingt reduzierten Mobilität konnte auch durch die unermüdliche Kriminalitätsbekämpfung sowie die fortlaufende Präventionsarbeit im vergangenen Jahr erneut ein Rückgang der Straftaten in unserer Region erzielt werden. Ich möchte mich hierfür bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeidirektion Lüneburg bedanken. Trotz der anhaltenden pandemischen Situation und der einhergehenden Belastungen haben sie hierzu entscheidend beigetragen. Es wird auch weiterhin unser Anspruch sein, all unseren Bürgerinnen und Bürgern als kompetenter Ansprechpartner zur Seite zu stehen.“

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