Kriminalstatistik 2019

Positiver Trend setzt sich fort - Deutlich weniger Kriminalität im Landkreis Rotenburg

Rotenburg. Der positive Trend rückläufiger Kriminalität hat sich im vergangenen Jahr im Landkreis Rotenburg fortgesetzt. Seit 2013 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) einen stetigen Rückgang. Waren es 2013 noch 10.544 Taten, so ist die Anzahl bis zum vergangenen Jahr kontinuierlich auf 8.506 und damit deutlich um knapp 20 Prozent gesunken. Die statistische Sicherheit vor Kriminalität wird zudem durch die Häufigkeitszahl bestätigt. Dieser Wert gibt die Anzahl der Straftaten je 100.000 Einwohner wieder. Mit rund 5.200 Taten/100.000 E. liegt der Landkreis Rotenburg deutlich unter dem Bundesschnitt von zuletzt 6.710.

„Ich freue mich natürlich über diesen Trend und die erfolgreiche und professionelle Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen", so Polizeidirektor Torsten Oestmann als Leiter der Polizeiinspektion Rotenburg. „Ich hoffe, dass diese erfreuliche Entwicklung das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken wird."

PI-Leiter Torsten Oestmann und Kripo-Chefin Petra Guderian  
PI-Leiter Torsten Oestmann und Kripo-Chefin Petra Guderian

Neben dem Rückgang an Straftaten, weist die Kriminalstatistik für die Ermittler im Landkreis Rotenburg eine Aufklärungsquote von 64,78 Prozent aus. Das ist ebenfalls der bisherige Höchstwert. Von den 8.506 Taten konnten die Beamten in 5.510 Fällen Tatverdächtige ermitteln. Damit gelten zwei von drei Taten als geklärt.

Kriminalstatistik 2019  
Kriminalstatistik 2019

Für die übergeordnete Polizeidirektion Lüneburg mit ihren sechs Inspektionen Lüneburg/Lüchow/Uelzen, Heidekreis, Stade, Harburg, Celle und Rotenburg zeigt die Kriminalstatistik ein wenig verändertes Bild. Den 73.378 Straftaten aus dem Jahr 2018 standen im vergangenen Jahr 73.975 Straftaten entgegen. Direktionsweit sind damit die Straftaten um 0,8 Prozent leicht gestiegen. Die Aufklärungsquote hat sich mit 64,27 Prozent gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent verbessert.

Polizeipräsident Thomas Ring, Chef von über 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Polizeidirektion Lüneburg, dazu: „Die Bürgerinnen und Bürger im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Lüneburg leben in einer sicheren Region. Bei einer leicht erhöhten Gesamtzahl aller erfassten Straftaten können wir uns zum wiederholten Male über eine Steigerung der Aufklärungsquote freuen. Das ist für uns Ansporn und Verantwortung zugleich. Es ist unser Anspruch, die Aufklärungsquote zu halten und zugleich die Fallzahlen zu reduzieren."


Tötungsdelikte


Die Kriminalstatistik weist für das zurückliegende Jahr sieben zu bearbeitende versuchte und vollendete Tötungsdelikte in der Polizeiinspektion Rotenburg aus. Bei fünf Taten handelt es sich um Vorfälle aus dem Vorjahr, die erst im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden. In einem Fall fahrlässiger Tötung kam ein Kleinkind auf dem elterlichen Grundstück zu Tode. Einen Fall von versuchtem Totschlag bearbeitet der Kriminal- und Ermittlungsdienst des Polizeikommissariats Zeven. Im Oktober hatte ein damals 53-jähriger Mann im Rahmen häuslicher Gewalt eine 30-jährige Frau gewürgt und bedroht.


Wohnungseinbrüche


Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist im vergangenen Jahr auf einem niedrigen Niveau geblieben. Waren es 2018 269 Taten, so mussten die Ermittler der PI Rotenburg 2019 267 Einbrüche aufnehmen. In 102 Fällen blieb es beim Versuch. Auch in diesem sensiblen Kriminalitätsfeld bestätigte sich eine positive Entwicklung (siehe dazu die grafische Darstellung der Wohnungseinbrüche von 2013 bis 2019). Von den polizeilich erfassten Einbrüchen konnten 72 aufgeklärt werden. Mit einer Aufklärungsquote von knapp 27 Prozent liegen die Ermittler im Landkreis Rotenburg leicht über den Direktions- und Landeswerten. Trotz der stabilen Entwicklung steht die Verhinderung und Aufklärung von Wohnungseinbrüchen weiterhin ganz oben auf der Agenda der Polizei. „In diesem Deliktsbereich, der das Sicherheitsgefühl besonders beeinträchtigt, sind die stetigen Verbesserungen der technischen Sicherungen eine wesentliche Komponente, den Tätern das Leben schwer zu machen. Nach wie vor sind wir auf alle verdächtig wirkenden Beobachtungen angewiesen, um schnell und erfolgreich agieren zu können", erklärt Petra Guderian, Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes in Rotenburg.


Eigentumskriminalität und Rohheitsdelikte


Auch die Anzahl der einfachen und schweren Diebstähle ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Beamten verzeichneten mit 2.556 Taten - 324 Fälle weniger als 2018.

Bei den Fahrraddiebstählen blieb die Anzahl der Taten konstant. 2019 wechselten 472 Räder durch Fahrradklau ihren Besitzer. In 104 Fällen ermittelte die Polizei Tatverdächtige. Das entspricht einer Aufklärungsquote von über 22 Prozent. In diesem Zusammenhang weisen die Ordnungshüter noch einmal auf die Aktionen „Anschließen statt Abschließen" und „Fahrrad sucht Anschluss" hin. Erfahrungsgemäß reicht es nicht aus, die zum Teil teuren Räder nur abzuschließen. Besser ist es sein Fahrrad beispielsweise an ein Verkehrszeichen, einen Lichtmast oder ein anderes Rad anzuschließen.

Einen ebenfalls positiven Trend erkennt die Polizei bei den Raubtaten. Im vergangenen Jahr ermittelten die Beamten in 36 Fällen von Raub - das waren 9 Taten weniger als 2018. In 29 Fällen überführte die Polizei einen Täter und erreichte damit eine Aufklärungsquote von über 80 Prozent. Bei den anderen Rohheitsdelikten, das sind neben den Raubtaten vor allem Körperverletzungen und Freiheitsdelikte, verzeichnet die Kriminalstatistik mit 1.573 Taten einen fast unveränderten Stand. 2018 hatte es 2 Taten weniger gegeben. Körperverletzungen werden in der Regel aufgeklärt, da sich Täter und Opfer meistens bekannt sind. Die Aufklärungsquote liegt erfahrungsgemäß hoch bei deutlich über 90 Prozent. Im Jahr 2018 wurden 23 Taten weniger angezeigt.


Betrügereien und Cybercrime nehmen zu


Entgegen des erfreulichen Trends beim gesamten Straftatenaufkommen, musste die Polizei im Landkreis mit 1.256 Taten wieder mehr Betrugsverfahren einleiten. 2018 waren es noch 1.063 Fälle.

Im digitalen Zeitalter spielen vor allem Internetbetrügereien, wie zum Beispiel bei privaten Käufen im Netz, immer noch eine große Rolle. Immer wieder werden über das Internet gekaufte Waren von privaten Anbietern nicht geliefert oder für verkaufte Dinge bleibt das Geld aus. Aber auch die Übernahme und Manipulation von fremden Computern, Identitätsdiebstahl, Datenmissbrauch und Abo-Fallen beschäftigte die Beamten.

Um sich vor finanziellem Schaden zu schützen, empfehlen die Experten der Polizei:

Veröffentlichen Sie nicht leichtfertig Ihre personenbezogenen Daten

Akzeptieren Sie in den sozialen Netzwerken nicht wahllos Freundschaftsanfragen


Halten Sie Ihre Geräte mit Antivirensoftware, Firewalls und Updates aktuell und wechseln Sie regelmäßig Ihre Passwörter.

Vorsicht bei sogenannten Phishingmails! Sie enthalten möglicherweise Schadsoftware und die kann auf Ihrem Rechner großen Schaden anrichten! Beim kleinsten Zweifel - ab damit in den digitalen Papierkorb.


Sorgen bereiten den Beamten immer noch die Anrufe von falschen Polizeibeamten, angeblichen Enkeln und Betrügern, die den Menschen hohe Gewinne versprechen und es tatsächlich auf deren Geld abgesehen haben. In einigen Bereichen des Landkreises kam es regelmäßig zu einer ganzen Flut von Anrufen falscher Polizisten. Beharrlich versuchten die organisierten Täter vor allem ältere Menschen mit erfundenen Geschichten dazu zu bewegen, ihre Wertgegenstände, die sie zu Hause aufbewahrten, in die Hände der Kriminellen zu geben. Fast alle Angerufenen verhielten sich richtig und legten auf. In zwei Fällen hatten die Täter Erfolg. Einmal händigten sie den falschen Polizisten Gold, in einem anderen Fall eine fünfstellige Summe Bargeld aus. Bei zwei vollendeten Enkeltricks wurden die gutgläubigen Senioren jeweils um zehntausend Euro betrogen.


Gewalt gegen Polizeibeamte


Für das zurückliegende Jahr verzeichnet die Statistik 106 Straftaten gegenüber Polizeibeamten. Dabei handelte es sich häufig um Widerstandshandlungen wie Treten, Schlagen und Spucken bei polizeilichen Standardmaßnahmen. Aber auch den ausgestreckten Mittelfinger bekamen die Beamten als Beleidigung oft zu sehen.

Dazu Polizeipräsident Ring: „Diesen Bereich betrachten wir mit Sorge. Die Angriffe auf Kolleginnen und Kollegen von Polizei, Rettungskräften und Feuerwehr sind menschenverachtende, schwere Straftaten und müssen konsequent verfolgt werden. Derartige Angriffe sind nicht zu tolerieren und auf das Schärfste zu verurteilen. Zu einer vernünftigen Vorbereitung gehört neben der Aus- und Fortbildung auch eine qualitativ hochwertige Ausstattung, zu der z. B. auch die Nutzung von Bodycams."

Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen, bei dem die Polizei die Lager zunächst voneinander trennen wollte, wurde ein Beamter gewürgt und an eine Hauswand gedrückt. Dann erhielt er einen Schlag ins Gesicht. In drei weiteren Fällen wurden die Polizisten mit Gegenständen attackiert. So erhob ein Beschuldigter eine Bierflasche gegen einen Beamten. Dann folgten ein Stoßen, eine Kopfnuss und eine Morddrohung. In einem anderen Fall sollte eine Frau nach einer Suizidankündigung in die Psychiatrie eingewiesen werden. Sie drohte eine Schere gegen die Einsatzkräfte einzusetzen. Bei einer routinemäßigen Geschwindigkeitskontrolle wollte ein mit Warnweste bekleideter Beamter einen gemessenen Autofahrer mit der Anhaltekelle stoppen. Weil der Mann einfach weiterfuhr, musste sich der Polizist mit einem Sprung auf die Gegenfahrbahn retten. Bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt bekam eine Beamtin das Knie des alkoholisierten Beschuldigten gegen ihren Kopf. Vier Polizisten mussten den Randalierer überwältigen. Dabei verletzte sich eine andere Beamtin am Rücken und an der Hand.

Zusammenfassend zieht Polizeipräsident Thomas Ring für seine Polizeidirektion folgendes Fazit:

„Wir können mit der Aufklärungsquote sowie der Bearbeitung der Wohnungseinbruchdiebstähle zufrieden sein. Insgesamt haben unsere gut ausgebildeten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre schwierigen Aufgaben auch 2019 hervorragend erfüllt. Dafür möchte ich mich bei allen Polizeibeschäftigten herzlich bedanken. Klar ist aber auch, dass wir nicht nachlassen dürfen. Wir werden uns weiterhin mit großem Engagement für die Belange unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen."

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